Homeschooling und Whatsapp
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Homeschooling und Whatsapp

Kultusministerium Niedersachsen muss dringend an datenschutzkonformen Lösungen in Bezug auf den Einsatz von Messengern in der Schule arbeiten

Momentan sind die Schulen in ganz Deutschland auf Grund von Corona (Covid-19) geschlossen. Für einige Klassen, insbesondere die Abschlussklassen beginnt zwar Anfang Mai wieder der Unterricht, viele Schüler bleiben aber noch einige Wochen zu Hause und werden im sogenannten Homeschooling von ihren Lehrern unterrichtet.

Die Schüler haben also keine Corona-Ferien, sondern sind verpflichtet von zu Hause aus zu lernen und Aufgaben zu lösen. Was liegt da näher, als für die Kommunikation im Rahmen des Online-Unterrichts Messenger-Dienste wie Skype und WhatsApp zu nutzen, dachte sich Niedersachsens Kultusminister Grandt Hendrik Tonne und gab die genannten Dienste offiziell für die Nutzung frei.

Diese Freigabe, die auch allen Schulen und Lehrern in Niedersachsen mitgeteilt wurde, hatte der Kultusminister aber ohne die vorherige Absprache mit Barbara Thiel, der Landesbeauftragten für den Datenschutz des Landes Niedersachen, erteilt. Frau Thiel wies daher in einer Pressemitteilung vom 20.04.2020 ausdrücklich darauf hin, dass sie den Einsatz von WhatsApp an Schulen weder empfohlen noch genehmigt hat. Sie sei aber „angesichts der Corona-Pandemie und dem damit erhöhten Bedarf an digitaler Kommunikation an Schulen bereit, gewisse Bedenken im Einzelfall für einen eng begrenzten Zeitraum zurückzustellen. Dennoch müssen bei der Nutzung von Messengern durch öffentliche Stellen bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden.“ Eine der genannten Bedingungen sei, dass die Kommunikation möglichst datensparsam erfolgen soll.

Weiterhin sagte Barbara Thiel: „Ich habe mich in der Vergangenheit immer wieder sehr deutlich gegen die Nutzung von WhatsApp ausgesprochen… diese Haltung gilt nach wie vor und entspricht damit auch der Position anderer Landesdatenschutzbeauftragter.“ Aufgrund der aktuellen Notwendigkeit an den Schulen sei sie aber „schweren Herzens“ für einen sehr begrenzten Zeitraum bereit, ihre Einwände zurückzustellen.

Trotz alledem sei  das Kultusministerium aber nicht von seinen Aufgaben entbunden, so Thiel weiter, „es gibt deutlich sparsamere Messenger-Dienste auf dem Markt, die dieselben Möglichkeiten der Kommunikation bieten. Ich fordere das Kultusministerium deshalb dazu auf, Alternativen zu WhatsApp ernsthaft zu prüfen und die Schulen über die Ergebnisse dieser Prüfung zu informieren, damit sie datenschutzfreundliche Dienste nutzen können.“ In Anbetracht der in den letzten Jahren immer wieder vorgebrachten Bedenken der Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen hätte dies bereits vor geraumer Zeit geschehen sollen. Da es in dieser Hinsicht zu einem Versäumnis des Kultusministeriums gekommen ist, solle dieses nun mit Hochdruck daran arbeiten eine entsprechende datenschutzkonforme Lösung zu finden. Es sei überaus bedauerlich, dass die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler nun in der Krisenzeit nicht die Möglichkeiten hätten, eine datenschutzfreundliche digitale Kommunikation zu führen, so Thiel abschließend.

Welche Kritikpunkte in Bezug auf den Datenschutz bei WhatsApp gibt es?  

WhatsApp ist überaus weit verbreitet (ca. 40 Mio. Nutzer allein in Deutschland) und total praktisch, man kann schnell mal eine Nachricht an Freunde schreiben, Fotos, Videos und Standorte verschicken, sowie Gruppen erstellen. Doch wieso genau ist WhatsApp eigentlich nicht datenschutzkonform?

Im Fokus der Kritik gegenüber WhatsApp durch Datenschützer steht vor allem, dass der Messenger bei Installation auf einem Smartphone und später in regelmäßigen Abständen das Adressbuch des Nutzers ausliest, um anzeigen zu können, welche der Kontakte ebenfalls den Dienst nutzen. Diese Daten (Namen und Telefonnummer) werden an WhatsApp übermittelt. Das Problem daran ist, dass nicht nur die Kontaktdaten von anderen WhatsApp-Nutzern ausgewertet und übermittelt werden, sondern die von allen Kontakten, auch solchen die den Messenger-Dienst überhaupt nicht nutzen (wollen). Wenn ich mich also aktiv gegen eine Anwendung von WhatsApp entscheide, bekommt der Facebook Konzern (dem WhatsApp gehört) trotzdem meinen Namen und meine Telefonnummer.

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Weiterer Kritikpunkt ist, dass die Daten zwar zunächst an die WhatsApp Ireland Limited in Dublin  gehen, diese die Daten aber an andere Unternehmen des Facebook-Konzerns in die USA weitergibt. Auch die Zwecke der Datenverarbeitung sind bei WhatsApp und Facebook im Allgemeinen kaum begrenzt, die Daten werden beispielsweise für Messungen, Statistiken, Analysen und sonstige Unternehmens-Services genutzt.

Über die Kontaktdaten hinaus sammelt WhatsApp auch noch weitere Daten, alles was keine direkte Kommunikation (und damit verschlüsselt) ist wird ausgelesen, etwa Standorte, Teilnehmer-Infos und Profilbilder. Dazu kommt noch, das WhatsApp zwar die Kommunikation verschlüsselt, aber nicht das Cloud-Backup. Wer diese Funktion nutzt, legt seine Chat-Daten somit quasi im Klartext bei Google (Android) oder Apple (iOS) ab, je nachdem welches Betriebssystem auf seinem Smartphone installiert ist.

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by paul time to read: 3 min
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